KATHARINA GRUZEI

Katharina Gruzei (*1983) lebt und arbeitet in Linz und Wien. Studium an der Kunstuniversität Linz, der University of California und der Universität der Künste in Berlin. Katharina Gruzei arbeitet mit Fotografie, Film, Video, Installationen, Performances, Sound und Objekten. Sie beschäftigt sich mit gesellschaftspolitischen Themen, insbesondere der Geschichtsschreibung im Hinblick auf geschlechtsspezifische Aspekte. Ihre Bildsprache erforscht das Potenzial von Widerstand und Ermächtigung innerhalb der visuellen Praxis. Einzelne Projekte vermitteln ihre künstlerische Feldforschung im Bereich gesellschaftlicher Brennpunkte.
www.katharinagruzei.blogspot.co.at

Artist Katharina Gruzei
 
Katharina Gruzei bringt in einer Soundinstallation die Geräuschkulisse eines brasilianischen Regenwaldes in den Stiftspark. Wie im Gartenpavillon die Fresken eine barocke Lust an der Exotik zelebrieren, sind es auch hier das Fremdartige und das Eigene, die sich vermischen. Wie eine fremde Sprache sorgen die brasilianischen Tierlaute für Verwirrung bei den heimischen Arten. Die Tonaufnahmen des Regenwaldes werden zudem von Helikoptergeräuschen durchbrochen, dem Vehikel der Touristen in Brasilien. Dies führt uns im Park vor Augen, wie sehr unser Blick auf die Natur des Anderen vom eigenen Fortschritt, der Entwicklung und Kultivierung geprägt ist.

Variations for an Environment, Mehrkanal Soundinstallation, Lautsprecher, PET-Flaschen, 2014

Katharina Gruzei

INES HOCHGERNER

Ines Hochgerner (*1982) lebt und arbeitet in Wien. Sie studierte Malerei bei Johanna Kandl an der Universität für angewandte Kunst und Kunstgeschichte an der Uni Wien. Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit Veränderungen in den Vorstellungen und Definitionen von Subjekt(ivität) und Objekt(ivität), deren Verhältnis zu- oder miteinander und den Räumen dazwischen. Die installativen, zeichnerischen Arbeiten oszillieren zwischen Fläche und Raum, Imitation und Aneignung.
www.basis-wien.at/ineshochgerner

Artist Ines Hochgerner
 
Ines Hochgerner hat für die Bibliothek des Stiftes Melk zwei grossformatige Zeichnungen angefertigt. Bannern gleich, von einem Metallgestell hängend und aufgezogen auf Leinwand wirken die Papierbögen wie ausgerollte Schriften. Die Arbeiten fügen sich in die jahrhundertealte Ordnung der Bibliothek ein, indem sie vor einem Durchgang neben zwei personifizierten Wissensdisziplinen stehen. Sie wirken wie eine bewegliche Grenze, ein Passage Point zwischen Wissensräumen und bilden ein Portal. Die gezeichneten Linien, die am Bildende ausreissen, erinnern an einen digitalen binären Code, der eine zeitgemässe Ordnung in der Komplexität des Bibliotheksspeichers schafft.

Interface, Tusche, Papier, Baumwolle, Metall, zwei Stück, je 300 x 100 x 50 cm, 2014

Ines Hochgerner

BERNHARD HOSA

Bernhard Hosa (*1979) studierte Malerei an der Universität für angewandte Kunst und lebt in Wien. Er arbeitet vor allem in den Medien Installation, Objekt und Fotocollage, mittels konstruktiver Elemente, einfacher Formen und alltäglicher Materialien. Seine auf das Wesentlichste reduzierten Arbeiten muten minimalistisch an, entstehen aber vor dem Hintergrund sozial-, wissenschafts- oder ideologiekritischer Überlegungen. Hosas Werke sind in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen und in privaten sowie öffentlichen Sammlungen vertreten.
www.bernhardhosa.com

Artist Bernhard Hosa
 
Bernhard Hosa entwarf eine Skulptur aus vier Türen, die einen quadratischen Raum bilden. Alle Türflügel sind geöffnet und behindern einander dadurch gegenseitig in ihrer Funktionalität. So verkeilt ineinander schaffen sie in der Mitte einen Raum, der einer einzigen Person nur beengt Platz bieten würde. Obwohl gleichsam nach allen Seiten offen, entsteht daraus ein geschlossenes System. Hosas Arbeit, die im Garten aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden kann, symbolisiert verfahrene oder sackgassenartige Strukturen und stellt gesellschaftliche Fragen nach Inklusion und Exklusion.

Dead Doors, Holz, Lack, Türen, 95 x 95 x 220 cm, 2014

Bernhard Hosa

MOUSSA KONE

Moussa Kone (*1978) lebt und zeichnet in Wien. In seinen detailreichen Werken mit Tusche auf Papier findet sich ein stetes Kräftemessen zwischen Linie und Fläche, zwischen Ornament und Tiefe, zwischen Grenzen, die definieren, und Feldern, die sich abstrakt behaupten. Neben seiner Ausstellungstätigkeit initiierte er gemeinsam mit Erwin Uhrmann Kunstprojekte wie den Art Critics Award und veröffentlichte mehrere Künstlerbücher. Moussa Kone ist Absolvent des Stiftsgymnasiums Melk.
www.moussakone.com

Artist Moussa Kone
 
Moussa Kone bezieht sich in seiner Arbeit auf das Kolomanibüchlein, das im 18. Jahrhundert in Melk an Pilger verteilt wurde. In der Volkskultur schrieb man dem Buch damals eine Schutzfunktion zu, ähnlich einem Amulett wurde es bei sich getragen. Wounds and Wonders stellt nun in vierzig Zeichnungen den Körper des Menschen in den Mittelpunkt, an dem die grausame Heiligenlegende abgehandelt wird. Mit magischen Abwehr- und Segenssprüchen in der Sprache der Yoruba kombiniert, bildet das Buch, dargestellt in Form eines Druckbogens, eine Brücke zum Ursprung des Glaubens und der Sehnsucht des Menschen Gott zu erleben.

Wounds and Wonders, Pigmentdruck auf Papier, zwei Stück, je 140 x 120 cm, 2014

Moussa Kone

STEPHAN LUGBAUER

Stephan Lugbauer (*1976) lebt und arbeitet in Wien und Niederösterreich. Er studierte Architektur und Medienkunst und ist Mitbegründer des Saprophyt, einem Ausstellungsraum für konzeptuelle Kunstprojekte. Seine Werke wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen und Festivals gezeigt. Kritisch und analytisch betrachtet er die Rolle des Künstlers und der Kreativität in seiner Arbeit, aktuelle politische und ökonomische Themen durchdringen seine Kunst. „In meiner Vision der Kunst spielt der Künstler selbst die Rolle eines Antagonisten zum Mainstream. Er ist der Rebel, der Aussenseiter - professionell unprofessionell." Stephan Lugbauer ist Absolvent des Stiftsgymnasiums Melk.
www.stephanlugbauer.net

Artist Stephan Lugbauer
 
Stephan Lugbauer produziert eine Videoarbeit bei der Eröffnung von Points of Passage. Die Kamera bewegt sich durch die Räume des Gartenpavillons und folgt zwei Personen und deren Dialogen. Auf der Bühne wird eine Performance von Guy de Cointet adaptiert, ein Musiker interpretiert das Lied Canyon Jam von Sepultura. Die Arbeit fusst auf Research-Fragmenten des Künstlers zum Agentenfilm, vom Code bis hin zur Suche und zur Reise. Die für die Performance verwendeten Materialien bilden das Environment für das später dort gezeigte Video.

Untitled, Performance, verschiedene Materialien, HD-Video, Dauer variabel, 2014

Stephan Lugbauer

RAINER PROHASKA

Rainer Prohaska (*1966) lebt und arbeitet in Wien. Er studierte Experimentelle Medienkunst an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Bei seinen künstlerischen Interventionen arbeitet er medienübergreifend: Fotografie, Architektur, Grafik, Installationen und Performances gehören zu seinem Repertoire. Sein Interesse gilt weniger den fertigen Objekten als Prozessen der Entstehung, Improvisationen und Transformationen. Ausgehend von vorgefundenen Strukturen erarbeitet er spezifische architektonische, skulpturale, aber auch performative Interventionen.
www.rainer-prohaska.net

Artist Rainer Prohaska
 
Rainer Prohaska ist im Sommer 2014 mit dem selbst gebauten Schiff MS CARGO auf der Donau unterwegs bis zum Schwarzen Meer und startet in Melk. Das Schiff wird vor dem Ablegen gesegnet vom Benediktinerabt Georg Wilfinger. In der Blickachse zur Donau im Stift Melk selbst ist ein Relikt seiner letzten Schifffahrt auf der Donau zu sehen. Prohaska erstand für dieses Kunstprojekt unterwegs einen alten Treibstofftank eines Kriegsflugzeuges und nutzte diesen friedlich und zivil als Auftriebskörper für sein Schiff. Der Künstler zeigt damit, wie ein kriegerischer Gegenstand durch Aneignung zu einem friedlichen und zivil nutzbaren Objekt wird. Stationiert ist das Objekt im Napoleongärtlein, wo der Kriegsherr einstmals seine Kanonen positionierte.

5540 J, Treibstofftank eines MIG-Jagdbombers, Aluminium, 500 x 75 cm, 2007
MS CARGO, Trimaran, Holz, Aluminium, Kunststoffe, 950 x 700 x 300 cm, 2014

Rainer Prohaska
Rainer Prohaska

MARKUS PROSCHEK

Markus Proschek (*1981) studierte Malerei an der Universität für Angewandte Kunst und lebt und in Wien. Seine Malereien und komplexen Installationen basieren meist auf einem Referenzsystem historischer Materialien, die mit Motiven der Populärkultur und persönlichen Interpretationen gebrochen und erweitert werden. Dabei werden Transformationen und Kontinuitäten der ideologisierten Inhalte des Ausgangsmaterials sichtbar.
www.markusproschek.com

Artist Markus Proschek
 
Markus Proschek greift in seiner Skulptur im Marmorsaal die Tradition des Scheingrabes auf. Das aus dem Samt des Sargtuches gebleichte Design bezieht sich auf eine Sequenz des Films Thunderball aus der James Bond-Reihe, in der dieser sein eigenes, vorgetäuschtes Begräbnis beobachtet. Die Initialen des Spions auf dem Sargtuch werden durch jene der Whistleblower Edward Snowden und Chelsea Manning ersetzt, die beide für ihre Überzeugung ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, gegen die Instanzen der Staatsgewalt. Das temporäre Monument soll uns ins Bewusstsein rufen, dass die Zivilgesellschaft Idealisten ihre Unterstützung schuldet und sie nicht dem Vergessen überantworten darf.

The Spy Who Loved Me, Holz, Metall, Samt, 220 x 100 x 80 cm, 2014

Markus Proschek

BIANCA REGL

Bianca Regl (*1980) lebt und arbeitet in Peking und Wien. Sie studierte Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Neben ihrer internationalen Ausstellungstätigkeit betreibt sie erfolgreich einen nicht kommerziell ausgerichteten Kunstraum in Peking, den sogenannten Black Bridge Off.
www.biancaregl.com

Artist Bianca Regl
 
Bianca Regl beschäftigt sich in ihrer Malerei mit der Formensprache des Barock. Formal greift sie die repräsentativen Formate der Gemälde des Kaiserganges auf, die sämtliche Herrscher der Habsburger und Babenberger abbilden. Das Ineinanderfliessen figurativer und sich auflösender abstrakter Formen ist ein starkes Merkmal ihrer Bilder.

Ohne Titel, Öl auf Leinwand, sechs Stück, jeweils 170 x 150 cm, 2014

Bianca Regl

CORINNE L. RUSCH

Corinne L. Rusch (*1976) studierte Bühnen- und Filmgestaltung und lebt und arbeitet in Wien. Ihre fotografischen Inszenierungen zeigen Organisationsformen, deren Struktur in mancher Hinsicht an Stoffe aus Theater und Film erinnert. Gelebte und gesehene Szenarien werden zur Fiktion, die das Gewöhnliche ausserordentlich erscheinen und ins Absurde gleiten lassen. Ein offenes Spiel mit Figuren und Masken. Eine Wirklichkeit eigener Ordnung zwischen Alltag und poetischer Form.
www.corinnerusch.com

Artist Corinne Rusch
 
Corinne L.Rusch inszeniert in ihren Fotografien Orte und Menschen. Ihren Arbeiten gehen meist intensive Recherchen voraus. Im Stift Melk hat sie Arbeiter und Schüler als Akteure mit einbezogen und diese ausserhalb ihres Wirkungsumfeldes in der Bibliothek, auf dem Kirchendach und in weiteren Räumen inszeniert. Dadurch entstehen surreale Momente, die ebenso eine Vertrautheit mit dem umgebenden Raum schaffen. Diese Fotografien markieren in der Ausstellung jenen Durchgangspunkt, der kurz vor bzw. nach dem architektonischen und spirituellen Höhepunkt jedes Melk-Besuches, der hochbarocken Kirche, passiert wird.

Prelude to the Revolt, C-Prints auf Aludibond, vier Stück, 110 x 140 cm bzw. 84 x 100 cm, 2014

Corinne L.Rusch